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Nachts ist alles
normal
hier geht es um die
Rasse Alaskan Malamutes
das Selbe
trifft auf die Grosspudel in Harlekin zu
Tag-Blindheit
?Ich bin nachtblind? ? das hört man oft und weiß, dass Betroffene nicht
gerne im Dunkeln Auto fahren. Bei Hunden gibt es jedoch auch genau die
gegenteilige Erscheinung: Tagblindheit. Eine genetisch bedingte
Erkrankung, die in den USA bei Alaskan Malamutes ( Standard Parti
poodle ) beobachtet wurde.
Was kann man als Züchter tun, wenn in der eigenen Zuchtlinie plötzlich ein
Defekt auftritt? Einfach ignorieren oder hoffen, dass er von selbst wieder
von der Bildfläche verschwindet?
Ein Outcross-Programm starten? Die betreffenden Hunde kastrieren?
Genauso erging es dem Alaskan Malamute-Züchter Dr. Kenneth Bourns, als er
entdeckte, dass drei Malamuten-Welpen eines Wurfes bei normalem Tageslicht
offensichtlich fehlsichtig waren. Ihre Nachtsichtfähigkeit wirkte hingegen
völlig normal.
Es geht um die so genannte Day Blindness ? auch Hemeralopie genannt.
Meistens tritt sie erstmals bei Welpen in der 7. Lebenswoche in
Erscheinung. Man erkennt die Störung daran, dass betroffene Welpen im ganz
normalen Tageslicht in Hindernisse rennen oder Abstände nicht richtig
einschätzen können. Bei Kunstlicht, Dämmerlicht und nachts unterscheidet
sich die Sehfähigkeit interessanterweise nicht von der anderer Hunde.
Gewohnheitssache
Laut Dr. Kenneth Bourns ist ein Amerikanischer Championhund von dieser
Erkrankung betroffen. Das fiel beim Richten vermutlich nicht weiter auf,
weil sich der Malamute immer auf Indoor-Veranstaltungen
präsentierte. Dort ist
Kunstlicht und so war sein Sehvermögen nicht beeinträchtigt. Bei einer
Open Air-Veranstaltung hätte das ganz anders ausgesehen. Da die Erkrankung
in der Regel nicht weiter fortschreitet, können sich Hunde auch weitgehend
an dieses Phänomen gewöhnen. Sie lernen, Distanzen ungefähr einzuschätzen
und sich im gewohnten Umfeld sicher zu bewegen. Deshalb muss Tagblindheit
keine schlechte Lebensqualität bedeuten.
Mauer des Schweigens
?Nachdem wir das Problem bei unseren Welpen erkannt hatten, informierten
wir andere Malamuten-Züchter, die blutsverwandte Tiere haben. Leider
stritten alle ab, je dieses Problem bemerkt zu haben. Ja, sie wirkten
sogar betont desinteressiert. Und was am schlimmsten war: Einige forderten
uns auf, bloß nichts herumzuerzählen, weil das dem Ruf der Rasse schaden
könne?, erinnert sich Dr. Kenneth Bourns.
Nachdem der Züchter durch Tierärzte hatte ausschließen lassen, dass die
Fehlsichtigkeit an einer Verletzung des Auges oder Ähnlichem liegen
könnte, wandte er sich an das Ontario Veterinary College in Guelph
(Ontario). Dort wurden die Welpen von Dr. L.H. Lord untersucht. Die
Mediziner diagnostizierten Hemeralopie (Day Blindness = Tagblindheit). Zu
diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, ob es sich hierbei um eine durch
äußere Umstände verursachte Erkrankung oder aber um die Folgen eines
Gendefekts handelte.
Defekte Gene
Um sich Klarheit zu verschaffen, nahm Dr. Lord in Zusammenarbeit mit dem
Züchter Test-Verpaarungen vor. Diese brachten schnell zu Tage, dass es
sich um eine genetisch bedingte Erkrankung handelt. Kurz darauf erfuhr Dr.
Bourns, dass es einen weiteren Malamuten-Züchter gab, der bereits
Erfahrungen mit Hemeralopie gemacht hatte. Jetzt schaltete sich auch Dr.
Lionel Rubin von der University of Pennsylvania Veterinary School ein.
Gemeinsam setzte man die Test-Verpaarungen fort, um mehr über den Erbgang
zu erfahren. ?Uns war natürlich klar, dass genetische Informationen
meistens von den Elterntieren an die Nahzucht weitergegeben werden.
Deshalb schlussfolgerten wir, dass es ein Gen geben muss, dass für das
Sehvermögen bei hellem Licht zuständig ist. Und, dass es zwei
unterschiedliche Allel-Ausprägungen dieses Gens geben müsse. Eines führt
zu Normalsichtigkeit bei Taglicht, das andere zum Entstehen einer
Tagblindheit?.
Erbgang bestimmen
?Wir wussten auch, dass genetische Informationen auf dreierlei Weise
weiter gegeben werden können. 1.) Eine Erbinformation dominiert die
andere. Folglich setzt sich eine genetische Veranlagung gegenüber der
anderen durch. 2.) Es verhält sich genau umgekehrt. Das passiert, wenn das
schwächere (rezessive) Gen von beiden Elterntieren an den Welpen weiter
gegeben wurde. Gemeinsam können sich die beiden rezessiven Gene
durchsetzen. 3.) Es besteht eine unvollständige Dominanz. Weder die eine
noch die andere Veranlagung setzt sich vollständig durch. Der Welpe steht
genau zwischen zwei Erbinformationen.
An diesem Punkt wäre es vermutlich klug, zu betonen, dass ein Allel für
sich allein nicht dominant ist, sondern sich dominant auf etwas auswirkt
und hierbei handelt es sich um das zweite Allel?, betont Dr. Bourns.
Genauso verhält es sich mit Allelen, die als rezessiv bezeichnet werden.
Sie verhalten sie gegenüber dem zweiten Allel rezessiv.
Im Fall der Malamuten-Welpen galt es zu bestimmen, ob es Erbinformationen
für Normalsichtigkeit gab und wie sich diese gegenüber Defektgenen
verhielten. Handelt es sich um einen rezessiven, dominanten oder zum Teil
dominanten Erbgang? ?Wir mussten herausfinden, was bei unterschiedlichen
Verpaarungen geschehen würde?.
Text: Gabriele Metz
Hemeralopie (2. Teil)
Wenn die Netzhaut verrückt spielt
In der letzten Ausgabe der HUNDE-WELT-Genetikserie berichtete ein
amerikanischer Alaskan Malamute-Züchter von seiner ersten Erfahrungen mit
Hemeralopie. Hierbei handelt es sich um eine Funktionsstörung der Augen,
die sich bei ganz normalen Tageslichtverhältnissen bemerkbar macht. Diese
Erkrankung wird längst nicht immer als das erkannt, was sie ist:
vererbbar.
Als Sonderform der Progressiven Retinaatrophie, die eine ganze Gruppe von
degenerativen Netzhauterkrankungen erfasst, ist sie jedoch alles andere
als eine Unbekannte.
Bei dem Wurf des amerikanischen Züchters gab es nur zwei Sorten von
Welpen: normalesichtige und Hunde mit Tagblindheit. Die ersten an
Hemeralopie leidenden Welpen waren aus der Verpaarung zweier
normalsichtiger Elterntiere entstanden. Folglich konnte es sich nicht um
eine Erkrankung handeln, die sich gegenüber Normalsichtigkeit dominant
vererbt. Sie schien vielmehr rezessiv zu sein. ?Mit dieser Information im
Kopf, verfassten wir eine Übersichtstabelle, in der sämtliche Welpen der
Testreihe dokumentiert wurden?, so Dr. Kenneth Bourns. Hierbei handelte es
sich um insgesamt 110 Welpen. Die Analyse ergab, dass die Vererbbarkeit
von Hemeralopie tatsächlich von rezessiven Genen bestimmt wird.
Drei Gruppen
Nachdem man festgestellt hatte, dass man es mit einer rezessiv vererbbaren
Krankheit zu tun hat, war es den betroffenen Züchtern möglich, den
relevanten Part der Zuchtlinie aus der Zucht zu nehmen. Es ging darum, die
gefährlichen Allele aus der Blutlinie zu entfernen.
Doch ganz so einfach war die ganze Sache nicht. Schließlich hatte man es
mit 3 unterschiedlichen Gruppen von Hunden zu tun:
Gruppe A: Hunde, die die dominant vererbte Normalsichtigkeit von beiden
Elternteilen geerbt hatten.
Gruppe B: Hunde, die jeweils eine Erbinformation von den Elterntieren
erbten ? eine für Normalsichtigkeit und eine für Tagblindheit.
Gruppe C: Hunde, die von beiden Elternteilen die rezessive Erbinformation
für Hemeralopie mit auf den Lebensweg bekamen.
50 Prozent sind krank
Welpen der Gruppe A sind normalsichtig und können an die eigene Nachzucht
ausschließlich diese Erbinformation weiter geben. Die Nachzucht wird
folglich normalsichtig sein. Hunde der Gruppe A sind folglich Tiere, die
für die Zucht verwendet werden sollten. Welpen der Gruppe C sind
fehlsichtig und vererben diese Eigenschaft auch an die eigene Nachzucht.
Folglich sollten sie aus der Zucht ausgeschlossen werden. Im Fall von
Gruppe A und auch von Gruppe C ist die Sachlage klar, aber wie sieht das
mit Hunden aus, die zur Gruppe B gehören? Sie sind normalsichtig, tragen
aber gefährliche Allele in sich, die in der Nachzucht für das Auftreten
von Hemeralopie sorgen können? Das muss allerdings nicht der Fall sein.
Doch rund 50 Prozent der Nachzucht dürfte betroffen sein.
Potenzielle Träger
Wie kann man herausbekommen, welche der normalsichtigen Hunde zu Gruppe A
und welche zu Gruppe B gehören? Durch Test-Verpaarungen. Verpaart man
einen normalsichtigen Hund, der evtl. von Defektgenen betroffen ist, mit
einem, der definitiv an Hemeralopie leidet, bringt die Nachzucht eine
klare Antwort. Ist das eine Elterntier jedoch Gruppe A und ist somit frei
von jeglichem zu Hemeralopie führenden Defekten, wird kein einziger der
Welpen fehlsichtig sein. Somit liegt das züchterische Fait auf der Hand:
Jeder Welpe, der aus einer von Hemeralopie belasteten Verpaarungen kommt,
ist selbst ein potenzieller Träger der Erbkrankheit und muss
dementsprechend eingestuft werden.
Nachthunde
Dr. Lionel Rubin von der Universität of Pennsylvania Veterinary School
fand heraus, dass Hemeralopie mit Enzymen in Verbindung steht, die
Elemente der Chemikalien enthalten, die benötigt werden, um auf die
Netzhaut treffendes Licht in Nervenimpulse umzuwandeln.
?Wir haben schließlich noch gelernt, dass Schlittenhunde im Norden auch
?Nachthunde? genannt werden. Vielleicht ist das ja auch ein Hinweis auf
eine öfter als vermutet vorkommende Fehlsichtigkeit?, überlegt Bourns.
Text: Gabriele Metz
HundeWelt 07/08
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